Ausgebremst Schlafen, schlafen und nochmals schlafen…
Die letzte Chemo liegt nun fünf Tage zurück und ich komme aus meinem komatösen Zustand nicht so richtig raus. Ich schlafe und schlafe und schlafe, merke, wie die Zeit vergeht und spüre, wie diese Müdigkeit mich in ein tiefes Loch schmeißen kann. Selbst als ich noch gesund und munter war, war es für mich schon immer furchtbar, müde zu sein.
Man sitzt auf dem Klo, kämpft gegen seinen Durchfall an und schläft ein. Nun ist das in Marens Bad auch kein Problem, denn man kann ganz gemütlich die Stirn auf das Waschbecken legen und einschlafen…
Da sitze ich am Tisch, Frühstück, und nicke ein…
Ich bin wie in einem Kokon gefangen, tauge zu nichts anderem, als nur einfach müde zu sein. Zu der Müdigkeit kommt auch die Traurigkeit über meine eigene Hilflosigkeit. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich da durchzukämpfen, was ich dann auch sehr tapfer tue. Ich merke auch, dass ich gewinnen werde und mich von so einem bisschen Krebs nicht unterkriegen lasse. Aber da ist diese Müdigkeit…
Dann ist da auch noch dieses belastende Gefühl, für mein Umfeld eine Last zu sein. Ich sehe, wie Maren leidet. Dir wünsche ich noch vor meiner Genesung, dass du deine alten Geister endlich loslassen kannst. Ich weiß das.
Ich nehme mal an, selbst Menschen, die sich selber nicht wahrnahmen, nehmen sich sehr deutlich wahr, wenn sie eine Chemo erhalten. Es tobt ein Krieg in dir, schwere Verluste auf beiden Seiten, in Dir ein Schlachtfeld. Klar geht es dem Krebs an den Kragen und es besteht kein Zweifel: er ist schon stark geschwächt. Der Verlust der eigenen Kraft ist bedauerlich. Das ist es, was mir gerade zu schaffen macht. Alles was ich mache, ist anstrengend. Da kann einem selbst ein klein wenig Abwasch an den Rand der totalen Erschöpfung bringen. Ich geh in die Knie vor ein wenig Abwasch in einem 2-Personen-Haushalt. Noch vor drei Monaten habe ich für 100 Leute Menüs gekocht und nun gelingt es mir nicht einmal, ein wenig abzuwaschen, ohne dabei die Hälfte stehen zu lassen.
Klar, ich bin krank, ich brauche Geduld und so weiter, aber es ist ja nicht die Tatsache, dass es mir schlecht geht, weil ich Krebs habe. Es ist die Chemo – die ist wie ein Tsunami in dir, gnadenlos überrollt sie dich. Fühlt sich nicht so gut an. Ich bin allerdings froh und dankbar, dass ich nicht so stark unter Übelkeit oder Durchfall oder was weiß ich für Nebenwirkungen zu kämpfen habe. Außer einem – und damit habe ich nicht wirklich gerechnet: man bekommt leicht einen Depri. Sprechen oder Gesellschaft fällt schwer. Oder Ostern schön zu finden, Fernsehen oder Internet – alles findet kaum Beachtung. Du spürst den heftigen Krieg in dir. Das Gute daran, und daraus ziehe ich wieder meine positive Kraft: der Krebs bekommt immer mehr auf den Sack.
Allmählich klingt der Klang der Chemo etwas ab. Womit nicht gesagt ist, dass es vorüber ist. Ich muss nun etwas tun, was der Seele guttut. Sie hat in den letzten zwei Tagen gelitten. Vielleicht sollte ich einmal ein paar Tage an die Nordsee fahren. Egal was und wie: Ich muss nun daran arbeiten, wieder in meine Spur zu kommen.
Es ist dieses Jahr das erste Ostern, an dem ich nicht in der Küche stehe und für die ganzen Menschen unter Hochstress Essen koche. Ostern war immer recht anstrengend. Jeder, der schon einmal über Ostern in der Küche oder im Service gearbeitet hat, kann das bestimmt nachvollziehen. Dieses Ostern nun, ohne Stress und viel Trallala, ist trotzdem ein Scheiß-Ostern. Wegen der Chemo und weil draußen Schnee liegt. Und es ist kalt, zu kalt für mich. Kälte nach einer Chemo, so ist es jedenfalls bei mir, geht nun gar nicht.
Ich werde nun schlafen gehen, denn ist mittlerweile schon 6 Uhr in der Früh und ich konnte dann plötzlich zur unmöglichen Zeit nicht mehr schlafen. Alles ist sehr – wie soll ich sagen – verwackelt?
Ich wünsche mir erholsamen Schlaf und neue Lebenskraft…
Und Euch allen anderen auch…
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