der Krebs muß spinnen

Der Krebs ist ein Volltrottel

Die Tage vergehen und so ganz langsam verschwindet auch der Winter. Das Wetter draußen erinnert mich an meinen Krebs in mir.

Noch tut sich die Sonne schwer, den Winter zu vertreiben, so wie die Chemo meinen Krebs. Das geht auch nicht so ganz einfach. Die Sonne ist mein müder Geist, der auch so langsam immer mehr an Wärme gewinnt. Langsam aber sicher bin ich schon wieder ich – so, wie ich mich gut kenne. Bis zur nächsten Chemo dann. Aber der Schnee schmilzt – und so auch der Krebs. So sehr, dass er mir fast schon leid tut, denn er hat null Chance, weiter sein Unwesen in mir zu treiben. Ach, wenn man es ganz genau nimmt, ist der Krebs ein Volltrottel, sich mich zum Krebskranken auszusuchen.

Mein Body - mein Tempel

Mein Body – mein Tempel

Da hat er nun einen sehr großen Fehler gemacht, denn so leicht lässt sich doch mein Tempel – so nenne ich meinen Body – nicht in Beschlag nehmen… Selbst Schuld! Es gibt so viele, die Opfer waren und wo er ein leichtes Spiel hatte – ein Krebs. Da sucht er mich aus …Tztztzt

Warum ich im klaren Vorteil bin:

seit dem Tag, an dem ich die Diagnose “Arschkarte Krebs”

Falls jemand hier ein Bild mit ner Arschkarte erwartet hat: wir sind ein anständiger Blog!

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bekam, verläuft mein Leben anders. Völlig anders nicht, denn radikale Veränderungen bin ich schon des längeren gewohnt, und für mich war und ist es der treibende Motor meiner Lebensenergie .

Oft werde ich gefragt: “Mensch Thomas, woher nimmst Du bloß die Energie, immer so optimistisch zu sein?” – auch schon vor meiner Erkrankung. Ich antworte dann meistens: “WEIL ICH MICH DAZU ENTSCHIEDEN HABE!”.

Es begann im Dezember 2006. Ich war völlig durch auf der Bereifung – fix und fertig von drei Jahren Kochen auf hohem Niveau auf der Insel der Reichen und Schönen: Sylt.

Das erste Jahr in einem Sternerestaurant mit einem Chef, den man nicht beschreiben kann, ein großartiger Koch – einer der Alten Schule – aber ein Arschloch von Mensch. Die Saison beim “Alten” hat mich die Farbe meiner Haare gekostet. 8 Monate in dem fabelhaften, aber unmenschlichen Restaurant haben mich grau werden lassen. Kein Wunder bei 15 Stunden Arbeit täglich und den unerträglichen Launen vom Alten.

Die unerträglichen Launen des Alten

Die unerträglichen Launen des Alten

Jedenfalls war ich nach drei Jahren Sylter Sternegastronomie im Dezember 2006 wieder in Berlin. Ich hatte riesengroßen Liebeskummer wegen meiner Inselliebe, die mich dann aber hat fallen lassen wie eine heiße Pellkartoffel. Ich war ohne festen Wohnsitz, denn die Wohnung in Westerland hatte ich aufgegeben, weil ich nicht mehr auf dieser schönen Insel sein wollte. Kein guter Ort für Köche – für Urlauber schon. Naja, mit den trüben Gedanken war ich nun im kalten grauen Berlin bei meinem besten Freund Flow untergekrochen. Ich hatte den vollen Blues, den absoluten Tiefpunkt – Ende der Fahnenstange.

Da hockte ich nun schwer grübelnd in Flows Wohnzimmer und entdeckte auf dem unaufgeräumten Tisch zwischen lauter Zetteln und anderem Kram ein Buch mit dem Titel “VOLLENDUNG IN LIEBE (DIE VIER VERSPRECHEN)”. Aus einem Impuls heraus begann ich es zu lesen – und das hat mein Leben mehr verändert als die Diagnose Krebs. Jedenfalls begann ich an diesem Tag mit aufrichtigem positiven Denken…

(Ende Teil 1)